Bericht Fliegerausflug 2018

Liebe Pilotinnen und Piloten,

unser Fliegerausflug fand heuer vom 11.8. bis 17.8.2018 statt.

Es fand sich ein Team aus insgesamt 7 Piloten und wir planten mit drei Flugzeugen:  Unserer Mooney (ERSL), unserer Cessna 172 (ERWL) und unserer PS-28 Cruiser (EMNA). Unsere 2. Cessna 172 (ERPL) war leider noch in der Reparatur.

Bereits im Vorfeld überlegten wir, dass die Kanalinseln und Südengland ein interessantes Flugziel wären und planten dementsprechend. Nachdem es auch den ganzen Juli unerwartet trocken und schön war in Südengland, zog dann leider Anfang August die ersten, der zu erwartenden Tiefdruckgebiete über die Insel. Bei der Vorbesprechung am Freitag war klar, dass der Sprung auf die Kanalinseln nicht gelingen wird, da dort aufliegende Bewölkung gemeldet war. In Frankreich war das Wetter jedoch schön, so dass wir umentschieden und zunächst mal die ersten Tage nach Frankreich aufbrechen würden. Als die ersten Stopps war Nancy und dann Orléans geplant.


 
Am Samstag ging es direkt mit einer neuen Überraschung los: Einer der Fliegerkollegen musste sich wegen eines starken Migraineanfalls „krankmelden“. Wir entschieden direkt, trotzdem mit drei Fliegern loszulegen. Dies auch wegen der Redundanz und Sicherheit, falls ein Flugzeug ausfällt. Und so hoben am 11.8.2018 dann nacheinander der Czech Cruiser, die 172er und die Mooney in Richtung Westen ab. Die Mooney zog an allen vorbei, die EMNA flog an Heidelberg, Speyer, südlich von Saarbrücken vorbei, weiter über den Lorraine Nationalpark Richtung Nancy. Eine grosse Flughöhe war nicht möglich, da wir auf ca. 3000ft Wolken hatten. Daher verloren wir auch noch vor dem Grenzübertritt den Kontakt zu unserer netten deutschen FIS Controllerin. Prompt hatten wir auch gleich Bedenken wegen der zahlreichen französischen Flugverbotszonen. Allerdings gelang der Kontakt zu Strasbourg Radar und die freundliche Controllerin übernahm. Es wurde auch gleich klar, dass die meisten der Gebiete bis auf eines ohnehin nicht aktiv waren. Also ging es weiter und nach gut zwei Stunden drehte auch die EMNA als letzte Maschine in die Platzrunde in Nancy ein. Leider hatte zeitlich nur noch die Mooney die offene Tankstelle erreicht. Danach war diese geschlossen. Also hatten wir eine Zwangs-Mittagspause von zwei Stunden.


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Anflug auf Nancy

 
Hungrig waren wir auch, also machten wir uns Richtung Stadt auf, das Taxi kam nicht - also zu Fuß. Zunächst war es nicht so einfach etwas zum Essen zu finden und wir waren auch vom Stadtbild enttäuscht. Auf der Suche nach authentisch französischem Essen, liefen wir an den Dönerbuden vorbei und  fanden dies dann auch am zentralen Platz von Nancy - leider die einzige schönere Ecke, die wir gefunden hatten.
Auf dem Rückweg wurde uns klar, dass wir nun doch einige Stunden verloren hatten. Taxi kam wieder keines aber zum Glück gab es einen Bus. Also getankt und Flugplan abgeschickt, nach dem (für uns) offensichtlich relevanten Flughafen von Orléans, Bricy LFOJ. Wir rollten schon zum Rollhalt, als der aufmerksame Kontroller nachfragte, ob wir wirklich nach Bricy wollten. Dies wäre ja ausschließlich ein Militärplatz.

Also zurück  über die Startbahn und neu geplant. Problem war nun: An dem eigentlich zivilen Flugplatz und auch Verkehrsflughafen von Orléans, Saint Denis, LFOZ schließt der Tower bereits um 17:00. Danach kann man gerne anfliegen, aber nur mit eigener AFIS Kommunikation auf Französisch, falls noch anderer Verkehr da sein sollte. Da wir uns das nicht zutrauten, disponierten wir um. Als Alternative -außerhalb des Großraums (Airspace A) von Paris und nicht ganz weg von der eigentlichen Flugroute- bot sich Reims an. Nur eine Stunde für die Mooney oder 1,5 für die EMNA. Somit machten wir uns auf den Weg. Die Mooney war als Nr.1 schon nach 50min am Platz. Der Flug war sehr schön. Erst der Moselle lang, dann über das auch hier ausgedörrte Land. Am Platz entdeckten wir auch das Schild Reims Aviation, das kannten wir doch von Früher mal.



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Mit der Mooney auf dem Weg nach Reims - an der Moselle entlang



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Reims


Angekommen stellten wir fest, dass die Landegebühren in Frankreich moderat sind. Nicht so die Taxen! Zum Preis von fast einer Übernachtung, brachten sie uns ins Zentrum. Und dort dann die Überraschung: So eine schöne Stadt! Damit hatten wir nicht gerechnet. Eine tolle Hauptstraße mit einem Restaurant neben dem anderen,. Wir fanden auch Platz und genossen ein Steak oder Choukrout etc. und dazu französisches Craft beer.

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Reims



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Reims
 
Am nächsten Morgen - Wettercheck. Leider waren die Kanalinseln bis auf Weiteres unter den Wolken und auch der Ärmelkanal war noch zu.
Bis dahin war das französische Festland aber frei. Also beschlossen wir, erst einmal noch ausgiebig Sightseeing in Reims zu unternehmen, was auch belohnt wurde: Eine Wunderschöne Stadt, eine eindrucksvolle Kathedrale und ein tolles Frühstück. Dann gings zum Flugplatz. Wir suchten jetzt einen Zollflugplatz für die Ausreise am folgenden Tag und fanden am Ärmelkanal nur Le Touquet Paris Plage (LFAT). Kannte zwar keiner - aber „Strand von Paris“ hört sich ja nett an.
Wieder ca. eine Stunde Flug in der Mooney. Über unspektakuläres Flachland tat sich in der Ferne der Ärmelkanal auf. Der Anflug auf LFAT war windig aber zum Glück nicht  mit der ursprünglich erwarteten Seitenwindkomponente. Die Mooney landete wieder als Nr.1. Bei der Cessna gab es kurz eine Überraschung, als eine Windböe die Maschine nochmal anhob und beim dann erfolgenden Go-around, sich die Klappen zunächst nicht einfahren ließen. Die zweite Landung klappte dann unspektakulär und die Klappen waren auch wieder einzufahren.
 
Danach ging es mit dem Taxi ins Hotel. Ein Teil der Truppe hatte mit dem Manoir Hotel am Golfplatz ein nobles Golfhotel, ganz im Englischen Stil gebucht - einschließlich optisch passendem Concierge. Der Ort wurde ja im 19 Jahrhundert von den Engländern zum Golfen besucht, bevor die wohlhabenden Pariser es als ihren Strand entdeckten. Nebenbei besitzen Mr. Macron mit Frau Brigitte auch ein Häuschen dort. Mit Rädern ging es an den Strand, auf die Dünen und durch das Städtchen. Dann noch Abkühlung im Pool des Manoir, wo wir auch ein stattliches drei Gänge Abendessen zu uns nahmen.


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Le Touquet Paris Plage


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Le Touquet Paris Plage



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Le Touquet Paris Plage


Eine Morgenrunde am Pool und schon mal zur Einstimmung ein "full English breakfast" im Golfhotel, was für Frankreich sonst eher unüblich ist. Der Wettercheck zeigte an, dass die Kanalinseln zunächst weiter geschlossen waren, aber es Mittags über dem Ärmelkanal aufmachen würde. Die Südküste, mit Wolken auf 2000ft. AGL, sollte eigentlich fliegbar sein. So ging es los, noch ein Stück Richtung Calais und dann über den Ärmelkanal. Hier hingen die Wolken noch tief, so dass wir uns unter diesen auf knapp 1000ft nach England schlichen. Coasting-in (Ausdruck aus der speziell britischen ATC Sprache) konnte auch die EMNA prompt keinen Kontakt zu London Control aufbauen. Erst nach Rückfrage auf 121.5 wurde uns ein Controller des nächsten größeren Flugplatzes gegeben. Interessanterweise ist FIS in England meist ohnehin nur „basic service only“. Die Controller der Approach Stellen, hatten keinen Radarkontakt, sondern wollten regelmäßig Position reports.

Nun ging es aber spektakulär an der Südküste entlang. Teils flache Küste, teils aber auch über 10m hohe Kreidefelsen. Mehrere Seebäder, u.a. Brighton Beach, folgten. Jede mit einer künstlichen Freizeit-Halbinsel + Steg mit Restaurants und Rutschen. Nach ca. 1,5h in der EMNA tat sich dann die Bucht von Portsmouth auf, mit dem eindrucksvollen Hafen (der Flugzeugträger Queen Elisabeth lag aktuell dort) und weithin sichtbaren Landmarke der Spinaker Tower. Dann ging es nach Norden Richtung Southhampton. Es übernahm Lee Radar und wir landeten nach ca. 2h (die Mooney brauchte nur gut eine-) in Lee on Solent Aerodrome EGHF. Da es etwas windiger war, wurden die Flieger gut festgezurrt.


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Entlang an der Südküste



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Die Bucht von Portsmouth mit dem Spinaker Tower

 
Die Engländer begrüßten uns außergewöhnlich freundlich und ein netter Taxifahrer nahm uns mit zur Fähre. Vor der Fähre noch ein Portion authentische (daher nicht sehr leckere) Fish and Chips im einfacheren Stadtteil westlich des Hafens.

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Die Begeisterung hält sich in Grenzen :-)



Mit der Fähre ging es dann in den schöneren Teil. Portsmouth, zumindest der östliche Teil, beginnt sich, nach einem wohl langen Durchhänger, durch Wegfall der Industrie, wieder zu erholen und macht zumindest im östlichen Teil einen schönen Eindruck. Englische Pubs in den traditionellen Häusern säumen die Straßen. Untergebracht sind wir hier schön und authentisch aber auch preisgünstig im Royal Marine Club - einer Seemannsunterkunft. Ein Rundgang und ein Abendessen mit authentischen Bieren rundeten den erlebnisreichen Tag ab.


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Nun trennten sich die Wege: Zwei Piloten mussten schon zurück, um am Mittwoch in EDQH zu sein und brachen mit der Cessna 172 über Antwerpen auf. Die restlichen vier wollten sich zwei Tag länger gönnen. Also legten wir einen „flugfreien“ Tag ein uns sahen uns Portsmouth an. An einem an ADHS anmutenden Tag, sahen wir uns erst einmal das eindrucksvolle Marinemuseum an - einschließlich Hafenrundfahrt, U-Boot Museum, und dem einzigartigen Besuch zweier Originalschiffe: Segaldampfschiff HMS Warrior und dem Original Lord Nelson Trafalgar Segelschiff HMS Victory. Wow!


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U-Boot Museum Portsmouth


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Segaldampfschiff HMS Warrior


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Segelschiff HMS Victory

Damit waren ¾ des Tages eigentlich verbracht. Let’s call it a day? Weit gefehlt. Mit dem Hovercraft ging es auf die Isle of Wight, der letzten verbliebenen Hovercraft-Strecke. Die Hovercrafts sind so ein bisschen britischer Stolz und so eine Überfahrt in 10 Minuten ist schon ein eindrucksvolles Erlebnis. Infrastruktur am Ufer braucht man dazu nur wenig. Lediglich eine Flache Rampe am Ufer ist notwendig. Nach einem leckeren Abendessen ging es wieder zurück.


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Mit dem Hovercraft zur Isle of Wight


Nun stand am Mittwoch der Weiterflug an: Kanalinseln weiterhin Fehlanzeige. Wetter im Innenland besser. Daher hatten wir schon am Vortag PPR (wichtig in GB, auch bei größeren Flugplätzen) für Cambridge aufgegeben. Also mit dem Uber nach Lee on Solent aerodrome Flieger losgemacht und gepackt.
Beim Anlassen der Mooney dann leider die Überraschung: der Motor läuft unrund und die ganze Maschine wackelt und vibriert. Auch nach Tanken, Warmlaufen lassen etc. besserte sich leider nichts. Max RPM bei Vollgas 2300/min und ein hoher Manifold pressure im Leerlauf ließen uns schon auf eine Ventilundichtigkeit tippen.
Eine Flugzeugwerkstatt bestätigte uns dann auch, dass Zylinder 4 ein defektes Auslassventil und keine Kompression hat. Also war klar, dass die Mooney nicht weiterfliegen kann.


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Für die Mooney ist die Reise in Lee on Solent beendet


Als kleine Entschädigung, zeigte uns der Inhaber, ein ehem. Cathay Pilot und Instructor, seine Waco Doppeldecker mit Sternmotor. Netterweise fuhr er uns dann auch noch zum Southhampton Airport.


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Die EMNA Manschaft wollte nicht so leicht aufgeben und flog die nächsten zwei Tage noch über Le Touquet und Antwerpen zurück nach Herzogenaurach, wo sie am Freitag schließlich eintraf. Die Mooney Mannschaft fand netterweise noch eine Verbindung mit der KLM über Amsterdam und kam noch am Mittwoch zurück.  


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Mit der KLM sicher nach Hause


Insgesamt wieder eine eindrucksvolle Erfahrung. Ein toller Ausflug! Es waren wieder viel spontane Umdisposition nötig und auch problemlos möglich. Es war lehrreich für erfahrene Piloten und v.a. für die Junioren, die nun keine Angst mehr vor Auslandsflügen haben müssen.
 
Volker Melichar. (August 2018)